Telemedizin vernetzt Pflegeheim, Hausärzte und Klinik – Erfahrungen aus dem Landkreis Traunstein
Für die Pflege gibt es positive Ergebnisse hinsichtlich der telemedizinischen Vernetzung mit Hausärzten und Kliniken. Im Projekt „Telemedizinische Versorgung für Alten- und Pflegeheime im Landkreis Traunstein" durften wir diese gemeinsam mit unseren Partnern selbst erleben. Nach fast einem Jahr haben wir viele Patienten telemedizinisch versorgen können und ziehen ein Zwischenfazit für alle Interessierten im Bereich Telemedizin in der Pflege.
Pflegefachkräfte in Alten- und Pflegeheimen stehen im Alltag regelmäßig vor der Herausforderung, gesundheitliche Veränderungen bei Bewohnern richtig einzuschätzen und angemessen zu reagieren. Insbesondere bei unklaren Situationen stellt sich häufig die Frage, ob eine sofortige notärztliche Versorgung erforderlich ist oder ob eine ärztliche Rücksprache ausreicht. Genau für solche Situationen wurde im Rahmen des Projektes ein klar strukturierter telemedizinischer Prozess zwischen Pflegeeinrichtungen und Hausärzten in Traunstein, und dem Telemedizinzentrum der TU München entwickelt.
So funktioniert der telemedizinische Ablauf im Pflegealltag
Der Ablauf beginnt mit einer unklaren gesundheitlichen Veränderung eines Bewohners. Die Pflegefachkraft schätzt die Situation zunächst mithilfe der Manchester-Triage ein. Handelt es sich um einen akuten, lebensbedrohlichen Notfall, wird selbstverständlich sofort der Rettungsdienst verständigt. Liegt kein Notfall vor (Manchester-Triage 4 oder 5), kommt die Telemedizin ins Spiel. Die Pflegefachkraft erfasst wichtige Vitalwerte wie Blutdruck, Blutzucker, Sauerstoffsättigung, Puls und Körpertemperatur digital und ergänzt diese durch eine kurze Beschreibung der Situation. Je nach Fragestellung können auch weitere Informationen wie ein EKG oder Fotos übermittelt werden.
Die Daten gehen digital an den zuständigen Hausarzt, der zusätzlich telefonisch informiert wird. Meldet sich der Hausarzt innerhalb von 45 Minuten, findet, falls notwendig, ein Videogespräch mit der Pflegefachkraft statt, in dem gemeinsam das weitere Vorgehen besprochen wird. Falls in diesem Zeitraum keine Rückmeldung erfolgt, wird das Telemedizinzentrum in München eingebunden. Dort ist eine ärztliche Rückmeldung innerhalb von 15 Minuten vorgesehen. Sollte auch diese ausbleiben, ist klar geregelt, dass der ärztliche Bereitschaftsdienst oder der Notarzt kontaktiert wird.
Nach der ärztlichen Einschätzung werden die Empfehlungen dokumentiert und direkt umgesetzt. Zum Abschluss wird die telemedizinische Ausstattung wieder vorbereitet, sodass sie jederzeit einsatzbereit ist.
Erste 50 Fälle zeigen deutlichen Nutzen durch klare Entscheidungen
Der aktuelle Projektstand bestätigt den gewählten Ansatz: Bislang wurden rund 50 Fälle telemedizinisch betreut. Die Rückmeldungen aus den Pflegeeinrichtungen zeigen, dass der telefonische ärztliche Kontakt in den meisten Fällen ausreichend ist und ein Videokontakt nur selten erforderlich waren. Für die Pflegefachkräfte bedeutet die Telemedizin eine spürbare Entlastung im Arbeitsalltag, schnellere ärztliche Rückmeldungen und klare Entscheidungswege ohne zusätzlichen Mehraufwand.
Auch aus ärztlicher Sicht wird das Projekt sehr positiv bewertet. Die beteiligten Hausärzte empfinden die telemedizinische Anbindung als echte Unterstützung und möchten sie im Versorgungsalltag nicht mehr missen. Besonders der strukturierte Ablauf und die Möglichkeit, bei Bedarf zusätzliche medizinische Daten wie ein EKG zu übermitteln, werden als großer Mehrwert gesehen. Insgesamt zeigt sich, dass die telemedizinische Versorgung einen klaren Nutzen für alle Beteiligten bietet und langfristig das Potenzial hat, in die Regelversorgung überführt zu werden.
Für zukünftige Projekte lassen sich aus den bisherigen Erfahrungen zudem wichtige Erkenntnisse ableiten. So hat sich gezeigt, dass die räumliche Nähe der beteiligten Hausärzte zu den Pflegeheimen im aktuellen Projekt dazu geführt hat, dass viele Situationen direkt vor Ort geklärt werden konnten. Die Telemedizin wurde somit vor allem für die Televisiten zwischen Pflegeheimen und Hausärzten eingesetzt. Pflegeeinrichtungen mit räumlich größerer Entfernung zu ihren Hausärzten können hingegen von einem telemedizinischen Zentrum als ergänzenden Hintergrunddienst profitieren.
Das Projekt erfolgt unter der wissenschaftlichen Leitung der Technischen Universität München (TUM) in Zusammenarbeit mit regionalen Ärzten, Pflegeeinrichtungen und dem Telemedizinzentrum. Das ZTM stellt als Technikpartner für das Projekt die telemedizinische Ausstattung bereit und kümmert sich um den Support und die Wartung der telemedizinischen Systeme.
Wir freuen uns, dieses Projekt begleiten zu dürfen und damit einen Beitrag zur Versorgung von Pflegeheimbewohnern zu leisten. Einen Überblick über unsere aktuellen Projekte finden Sie auf unserer Webseite.