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Telemedizinische Netzwerke in Bayern und aktuelle Fördermöglichkeiten

Foto oben: Tom Bauer AD Photography, Foto unten: RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt

Telemedizinische Netzwerke sind Verbünde von medizinischen Einrichtungen, in denen man gemeinsam, über die Ferne hinweg, Patientenfälle betreut. Sie verbinden Kliniken, aber auch Arztpraxen und Spezialisten untereinander, um Fachwissen schnell auf digitalem Weg verfügbar zu machen.

In unserem Blog finden Sie bereits eine Checkliste und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum erfolgreichen Aufbau eines Konsilnetzwerks. Für Interessierte und Verantwortliche in Kliniken und Krankenhäusern haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst, welche Netzwerke es bereits in Bayern gibt und welche Fördermöglichkeiten über den Transformationsfonds aktuell zur Verfügung stehen.

Netzwerke in Neurologie, Intensivmedizin, Dermatologie und zur Versorgung Seltener Erkrankungen

Bayern verfügt über eine Vielzahl telemedizinischer Netzwerke. Dabei wird zwischen regionalen Netzwerken, die in einem bestimmten Versorgungsgebiet tätig sind, und bayernweiten Netzwerken unterschieden, die Einrichtungen im gesamten Freistaat miteinander verbinden.

Zu den regional organisierten Schlaganfallnetzwerken zählen TEMPiS in Südostbayern, STENO in Mittel- und Oberfranken sowie der Oberpfalz und TRANSIT in Nordwest-Bayern. Sie umfassen je nach Versorgungsgebiet zwischen vier und 25 Kliniken und ermöglichen eine wohnortnahe Versorgung von Patienten mit Schlaganfällen. Die beteiligten Kliniken können dabei telemedizinisch auf die neurologische und radiologische Expertise der Spezialisiten in den Konsilkliniken zurückgreifen.

Die bayernweiten Netzwerke haben ihren Ursprung unter anderem an den sechs bayerischen Universitätskliniken. Im Bereich der Teleintensivmedizin vernetzen sie die Universitätskliniken als Maximalversorger mit Einrichtungen der Grund- und Regelversorgung in ganz Bayern. Ziel ist es, Patienten bei teleintensivmedizinischen Fragestellungen gemeinsam zu behandeln, ohne sie in eine Uniklinik verlegen zu müssen. Dadurch können kleinere Häuser ihre diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten erweitern.

Eine Besonderheit ist das telemedizinische Fußkonsil in Bayern. Es vernetzt Haus- und Fachärzte bayernweit um Patienten mit Diabetes, insbesondere mit Diabetischem Fußsyndrom (DFS), schnell und leitliniengerecht zu versorgen.

Im Folgenden stellen wir Ihnen einige dieser Netzwerke und Ihre Ansätze genauer vor.


25 Kliniken in Südbayern über Schlaganfall-Netzwerk mit Münchner Neurologen vernetzt

Im Süden Bayerns sind gleich mehrere Netzwerke zu finden. Einer der bekanntesten und größten Verbünde ist das telemedizinische Schlaganfallnetzwerk „TEMPiS", in dem Neurologen der München Klinik regionale Krankenhäuser bei der Schlaganfallversorgung unterstützen. Kernbestandteil der telemedizinischen Vernetzung ist dabei eine Videokonferenz, die noch in der Notaufnahme zwischen dem Versorgungsteam vor Ort und einem TEMPiS-Schlaganfallexperten durchgeführt wird. In diesem Rahmen wird die Anamnese vervollständigt sowie eine ausführliche neurologische Untersuchung auf Basis des NIHSS durchgeführt. Über die Kamera können die verschiedenen Komponenten der Untersuchung, wie Motorik, Sprache, Sensibilität oder Orientierung gut abgefragt und entsprechende Reaktionen eingesehen werden.

Ergänzend wird die durchgeführte CT-Bildgebung digital mit den Experten in München geteilt, um gemeinsam eine Therapieentscheidung zu treffen. Empfehlungen zur Weiterbehandlung werden über eine Online-Plattform an die Partnerkliniken übermittelt. Ein Kurzfilm gibt Einblicke in die Abläufe im TEMPiS-Netzwerk.


Netzwerk zur Versorgung von Seltenen Erkrankungen zwischen den Bayerischen Universitätsklinika

Die Diagnosestellung einer seltenen Erkrankung erfordert häufig die Expertise verschiedener medizinischer Fachgebiete. In Bayern gibt es hierfür den Zusammenschluss „BASE-Netz", welcher die sechs Zentren für seltene Erkrankungen (ZESE) telemedizinisch vernetzt. In diesem Netzwerk-Szenario sind neben den Kliniken auch Patienten und deren behandelnden Ärzte in den digitalen Austausch eingebunden.

Über eine Online-Plattform können alle Beteiligten, also Patienten, Ärzte und ZESE eine Telemedizinakte mit relevanten medizinischen Informationen befüllen. Die Patienten registrieren sich dazu über eine Webseite und erfassen mithilfe von Online-Fragebögen Daten zu ihrer Krankheitsgeschichte. Auch Arztbriefe und Befunde können auf diesem Weg hochgeladen werden. Die ZESE sichten die Akte mit allen verfügbaren Informationen und leiten entsprechende Maßnahmen ein. Die Lösung wird ergänzend zu den lokalen Klinikinformationssystemen (KIS) genutzt, um standortübergreifend arbeiten zu können. Bei Bedarf kann die Akte für einzelne Mitarbeiter eines anderen Zentrums für eine konsiliarische Beurteilung sichtbar gemacht werden.

Abläufe und Zusammenarbeit im Netzwerk "BASE-Netz"


Länderübergreifende dermatologische Versorgung im „Derma-Online"-Netzwerk

Das Derma-Online-Netzwerk ist ein länderübergreifendes Dermatologie-Netzwerk, dem sich jederzeit neue Kliniken anschließen können. Aktuell umfasst es vier Kooperationskliniken in Hessen und Bayern (Landkreis Rhön-Grabfeld), die per Telekonsil auf die dermatologischen Experten in der Uniklinik Marburg zurückgreifen können.

Der Austausch bei Fragestellungen erfolgt primär per Schriftkonsil über eine Online-Plattform. Dort laden die anfragenden Kliniken entsprechende Bilder von Hautauffälligkeiten hoch und lassen diese innerhalb einer verbindlichen Reaktionszeit (72 Stunden) von den Marburger Experten befunden. Die Rückmeldung der Dermatologen erfolgt ebenfalls über die Plattform. Rückfragen können per Chat oder ergänzend per Videokonsil gestellt werden.

Per Dermatoskop oder per Handy werden im Netzwerk Bildern von auffälligen Hautstellen aufgenommen und telemedizinisch an die Hautklinik übertragen.

Weitere Informationen zu den telemedizinischen Netzwerken in Bayern

TEMPiS Schlaganfallnetzwerk SüdOst Bayern 

STENO Schlaganfallnetzwerk mit Telemedizin in Nordbayern

TRANSIT-Stroke Schlaganfallnetzwerk Nordwest-Bayern

derma-online Teledermatologisches Konsilnetzwerk

BASE-Netz Bayerischer Arbeitskreis für Seltene Erkrankungen

Teleintensivmedizn Bayernweites Netzwerk

Fußkonsil Dermatologie Diabetisches Fußsyndrom


Förderung für Telemedizinische Netzwerke über den Transformationsfond beantragen

Als Teil der Krankenhausreform (Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG)) wurde im April 2026 ein Transformationsfonds beim Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) eingerichtet. Dieser umfasst acht verschiedene Fördertatbestände, die dazu dienen sollen, die Krankenhausstrukturen anzupassen und Transformationsprozesse gezielt zu unterstützen.

Mit Fördertatbestand 3 „Bildung telemedizinischer Netzwerkstrukturen, einschließlich robotergestützter Telechirurgie" werden Krankenhäuser dabei unterstützt ein telemedizinisches Netzwerk aufzubauen und somit Patienten, z. B. im Rahmen von Telekonsilen gemeinsam zu betreuen. Ein Netzwerk besteht aus mindestens zwei Krankenhäusern, kann aber auch mehrere Kliniken umfassen oder gar landesweit ausgerichtet sein.

Das Antragsverfahren für die Fördermittel verläuft zweistufig. Krankenhäuser und Kliniken melden ihre Fördervorhaben an die zuständigen Landesbehörden. Die Länder entscheiden, für welche Vorhaben Fördermittel beantragt werden sollen und reichen diese in einem zweiten Schritt beim BAS ein. Die direkte Antragsstellung durch Krankenhäuser beim Bund ist damit nicht möglich. Sind alle Fördervoraussetzungen erfüllt, erhält das Land einen Auszahlungsbescheid und bewilligt gegenüber den Krankenhäusern die Fördermittel.

Das BAS definiert bis Ende September 2026 die Mindestanforderungen an die Netzwerkstrukturen und Interoperabilitätsstandards. Bis zu diesem Zeitpunkt werden noch keine Anträge bewilligt. Ebenso ausstehend ist eine Förderrichtlinie mit näheren Bestimmungen zur weiteren Umsetzung.  Bis es so weit ist haben wir die fünf wichtigsten Fragen rund um die Förderung im Rahmen von Fördertatbestand 3, Telemedizinische Netzwerkstrukturen, in einem FAQ zusammengestellt.


Quellen und weiterführende Informationen 

Bundesamt für Soziale Sicherung  FAQ zum Transformationsfonds

Bundesamt für Soziale Sicherung Infoseite zum Transformationsfonds

Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention

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