Bayern kann etwas von Europa lernen – und umgekehrt. So könnte man das Fazit des dritten Treffens im Rahmen des HUMAN Projektes an der Hochschule Hof, an dem wir als Stakeholder teilnehmen dürfen, zusammenfassen. Ziel des Austauschs war es, den Blick über Bayern hinaus zu richten und erfolgreiche Praxisbeispiele aus Europa kennenzulernen, die konkrete Lösungsansätze für verschiedene Herausforderungen im Gesundheitswesen aufzeigen. Welche europäischen Länder hierbei als Vorbild agieren, was wir in Bayern von Ihnen lernen können und welche Initiativen es bereits im Freistaat gibt, fassen wir Ihnen im Folgenden zusammen.
Fünf Lösungen aus Irland, Schweden, Slowenien, Ungarn und Zypern im Fokus
Im Mittelpunkt des Workshops standen fünf sogenannte „Good Practices" aus den Partnerregionen des HUMAN-Projekts. Sie geben spannende Einblicke darin, wie verschiedene europäische Regionen innovative Wege gehen, um aktuelle Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung zu bewältigen. Die vorgestellten Beispiele reichen von digital unterstützter Patientenversorgung über interdisziplinäre Behandlungsteams bis hin zu nationalen Strategien für E-Health.
Irland: Care Virtual Ward – digitale und integrierte Versorgung von Patienten mit Atemwegserkrankungen
Es handelt sich um ein digital unterstütztes Versorgungsmodell für Menschen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), das Krankenhausaufnahmen und Wiedereinweisungen reduzieren soll. Mithilfe des Telemonitorings werden wichtige Vitalparameter wie Atemfrequenz, Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung kontinuierlich erfasst und von einem interdisziplinären Team überwacht. Dadurch können gesundheitliche Veränderungen frühzeitig erkannt und notwendige Maßnahmen rechtzeitig eingeleitet werden. Gleichzeitig ermöglicht das Modell eine sichere Betreuung im häuslichen Umfeld und entlastet langfristig das Gesundheitssystem.
Schweden: Person-centred Care supported by Assessment Intervention Team – ein interdisziplinärer, patientenzentrierter Versorgungsansatz
Dieser Ansatz ist ein präventives, personenzentriertes Versorgungsmodell, das angesichts der wachsenden älteren Bevölkerung und steigender Belastungen im Pflegesystem entwickelt wurde. Ein mobiles, multiprofessionelles Team identifiziert ältere Menschen mit Rehabilitationspotenzial und bietet freiwillige, frühzeitige Unterstützung an, um Gesundheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität zu erhalten. Durch die Kombination aus individueller Beratung, gezielten Maßnahmen und enger Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen können Pflegebedarfe reduziert und passgenaue Lösungen entwickelt werden.
Slowenien: TeleKap – ein nationales Telestroke-Netzwerk zur schnellen neurologischen Versorgung bei Schlaganfällen
Das Projekt verbessert die Schlaganfallversorgung, indem regionale Krankenhäuser über eine digitale Plattform mit spezialisierten Neurologen eines Universitätsklinikums verbunden werden. Durch Video-Konsultationen und den direkten Austausch von Bilddaten können Schlaganfallpatienten schneller diagnostiziert und gezielt behandelt werden. Besonders für ländliche Regionen schafft das Netzwerk einen entscheidenden Vorteil: Spezialisiertes Wissen steht unabhängig vom Standort zeitnah zur Verfügung.
Zypern: National eHealth Authority (NeHA) – eine zentrale Organisation zur Koordination und Weiterentwicklung digitaler Gesundheitslösungen
Mit diesem Ansatz soll die bislang fragmentierte Verwaltung von Gesundheitsdaten verbessert und eine sichere, vernetzte digitale Gesundheitsversorgung aufgebaut werden. Durch die Einführung einer nationalen Gesundheitsdatenbank und elektronischer Gesundheitsakten erhalten Bürger sowie Gesundheitsfachkräfte einen besseren Zugang zu aktuellen und verlässlichen medizinischen Informationen. NeHA zeigt dabei, wie strategische Steuerung und technische Standards die Grundlage für eine moderne, vernetzte Gesundheitsversorgung schaffen können.
Ungarn: NovOtthon - Ein speziell entwickeltes Medikamentenmanagementsystem für Pflegeeinrichtungen zur Verbesserung der Patientensicherheit
Das Projekt modernisiert die Versorgung älterer Menschen mit Demenz durch die Einführung eines digitalen Managementsystems für Pflege- und Gesundheitsprozesse. Die zuvor papierbasierten Abläufe bei Medikamentenverwaltung, Dokumentation und Abrechnung wurden digitalisiert und durch Funktionen zur Bewohnerdokumentation, Untersuchungsverfolgung sowie die Anbindung an das ungarische elektronische Gesundheitsdatensystem (EESZT) ergänzt. Das Ergebnis: mehr Transparenz, schnellere Informationswege und eine höhere Sicherheit in der täglichen Versorgung von Bewohnern.
Nach einer gemeinsamen Vorstellung der Projekte arbeiteten die Teilnehmenden in Zweierteams. Welche Rahmenbedingungen braucht es für eine erfolgreiche Umsetzung? Welche Erfahrungen wurden in den Partnerregionen gemacht? Und welche Aspekte wären auch für Bayern spannend? Die dabei entstandenen Fragen wurden anschließend im Plenum zusammengetragen und diskutiert. Sie bilden die Grundlage für den weiteren Austausch mit den europäischen Projektpartnern.
Welche Ideen zu Bayern passen und welche Ansätze es bereits im Freistaat gibt
Den Abschluss des Workshops bildete die gemeinsame Priorisierung der Good Practices. Ziel war es, diejenigen Beispiele zu identifizieren, die das größte Potenzial für einen Wissenstransfer nach Bayern besitzen.
Als besonders vielversprechend wurden drei Good Practices ausgewählt:
- Schweden aufgrund des stark patientenzentrierten und interdisziplinären Versorgungsansatzes,
- Irland mit seinem Konzept der digital unterstützten Betreuung von Patienten außerhalb des Krankenhauses sowie
- Zypern wegen seines strategischen und ganzheitlichen Ansatzes zur Steuerung und Weiterentwicklung digitaler Gesundheitslösungen.
Mit dieser Auswahl geht das Projekt nun in die nächste Phase. Die ausgewählten Good Practices werden gemeinsam mit den europäischen Partnern vertieft betrachtet und daraufhin untersucht, welche Ansätze sich für die Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung in Bayern übernehmen lassen.
Gute Anknüpfungspunkte hierfür bilden die zahlreichen Ansätze, die bereits in Bayern existieren. Sie verfolgen gleiche oder ähnliche Ziele wie die europäischen Good Practices und sind aktuell in Umsetzung, wurden in der Vergangenheit erfolgreich abgeschlossen oder befinden sich im Transfer in die Regelversorgung. Mithilfe der europäischen Perspektiven lassen sich diese Projekte in Zukunft weiter ausbauen – und umgekehrt.
Informationen zu den bayerischen Projekten
sekTOR-HF Telemonitoring bei Herzinsuffizienz
COPD-AReNa Internetbasierte Nachsorge bei COPD
MoGeRe Telemedizin in der mobilen geriatrischen Rehabilitation
TEMPiS Telemedizinisches Schlaganfallnetzwerk SüdOst Bayern
Bavarian Health Cloud Gesundheitsdaten. Sicher. Zugänglich.
Pflege 2030 Die Pflegeeinrichtung der Zukunft
Der europäische Austausch geht weiter
Das Meeting im Rahmen des HUMAN Projekts hat gezeigt, welchen Mehrwert der europäische Austausch bietet. Gleichzeitig stellt sich heraus, dass es bereits viele Initiativen und Projekte in Bayern gibt, die sich mit ähnlichen oder gleichen Ansätzen beschäftigen bzw. beschäftigt haben.
Damit auch andere Länder von bayerischen Erfahrungen profitieren, haben wir mit unserem Showroom ein eigenes Good Practice zum HUMAN Projekt beigetragen. Damit können Organisationen in Europa unser Konzept als Blaupause nutzen und einen Showroom aufbauen. Darüber hinaus gibt es auf der Projektwebseite zahlreiche weitere innovative und interessante Beispiele aus Bayern und Europa zu entdecken.
Wir bedanken uns bei unserem Partner, der Hochschule Hof, dass wir als Stakeholder ein Teil des Projektes sein dürfen und sind gespannt auf die weiteren Ergebnisse.