Szenario: Katastrophenschutz



Technische Lösungsansätze für die Unterstützung pflege- und hilfebedürftiger Menschen im Krisen- und Katastrophenfall

Das für Deutschland durchaus wahrscheinliche Szenario eines Sturms, Hochwassers oder anderen Naturkatastrophen mit intensiven Folgen kann die Stromversorgung für mehrere Tage unterbrechen und Verkehrswege, weitere Infrastrukturen und routinierte Abläufe erheblich stören. Besonders für pflege- und hilfsbedürftige Menschen in Privathaushalten stellt ein solches Szenario eine erhebliche Belastung dar.
In solch einer schweren Phase gilt es Lösungsansätze für die Unterstützung der Bevölkerung und allen voran der genannten Personengruppe zu entwickeln. Dabei steht der Aufbau eines ressortübergreifenden Netzwerks aus Behörden, Pflegeinfrastrukturen, Angehörigen und aktiven zivilgesellschaftlichen Akteuren im Vordergrund.

Motivation



Maßnahmen zur Vorsorge, Bewältigung und Nachsorge in Katastrophensituationen.

Ein Katastrophenszenario gliedert sich in drei Phasen: die Vorsorge, die Bewältigung und die Nachsorge. Das Ziel besteht darin, die Bevölkerung und insbesondere spezielle Personengruppen wie Hilfe- und Pflegebedürftige durch diese Phasen zu begleiten und allgemein auf mögliche Krisensituationen vorzubereiten. Um dieses Ziel erfolgreich umzusetzen, gilt es die Bedarfe der unterschiedlichen Personengruppen auszumachen und darauf aufbauend deren individuelle Resilizenz zu stärken.
Bei der Bewältigung dieser Aufgaben können moderne Technologien zum Einsatz kommen. Diese halten die Kommunikation auf den verschiedenen Ebenen, z.B. zwischen Regierung und Bürgern im technisch möglichen Bereich aufrecht. Sie leisten einen zusätzlichen Beitrag zur Vorsorge, Bewältigung und Nachsorge einer Katastrophe.

Problembeschreibung



Bedarfsgerechte Versorgung durch moderne Technologien aufrechthalten

Für derartige Krisensituationen stehen Hilfs- und Rettungskräfte vor der Frage, welche Personen in der Umgebung welche Hilfe benötigen und wie sie die Versorgung bzw. Evakuierung bei Vorsorge, Bewältigung und Nachsorge unterstützen können. Darüber hinaus gilt es die Menschen darin zu bestärken sich nicht nur auf Hilfe von aussen zu verlassen, sondern auch in eigener Verantwortung ein geeignetes Hilfesetting aufzubauen. Das Wohlergehen aller Menschen hängt während eines Katastrophenfalls stark von ihren Selbsthilfekapazitäten und insbesondere von der Unterstützung ihrer Angehörigen und Bezugspersonen ab.
In Extrem- oder Katastrophenlagen besteht die Herausforderung darin, besonders Personengruppen mit Hilfe- und Pflegebedarf zu versorgen, wenn beispielsweise Pflegefachkräfte sie nicht mehr erreichen können. Durch die Sensibilisierung aller beteiligten Akteure und den Einsatz moderner Technologien können Vorbereitungen getroffen und bestehende Risiken reduziert werden.

Lösungsansätze



Lösungsansätze teilen sich in unterschiedliche technische Funktionsbereiche auf.
Sie können den einzelnen Phasen des Katastrophenschutzes zugeordnet werden.

Vorsorge



Für die Vorsorge lassen sich Lösungsansätze zur Aufklärung, dem Monitoring
sowie der sozialen Vernetzung einsetzen.


  • Über Apps und Smartphones beziehungsweise über das Internet gibt es die Möglichkeit, Informationen zeit- und ortsunabhängig bereitzustellen. Damit können beispielsweise Leitfäden zur Katastrophen- und Krisenvorsorge inklusive allgemeiner Verhaltensregeln bei verschiedenen Notfallszenarien auch ohne Internetverbindung zugänglich sein. Darüber hinaus können Handlungsempfehlungen bereitgestellt und kommuniziert werden.

  • Der Begriff Monitoring bezieht sich hauptsächlich auf die Verknüpfung des Alltags mit Technik, insbesondere im Zusammenhang mit AAL im häuslichen Umfeld, um Sicherheit und Transparenz zu gewährleisten und in heiklen Situationen früh agieren zu können. Eine Grundlage hierzu bieten technische Systeme, die unter anderem gemeinsam mit Smartphones, Tablets und Sensoren die häusliche Umgebung und den Gesundheitszustand von Patienten überwachen und steuern. Sensorsysteme können so Haushaltsgeräte verwalten, die Medikation von Patienten unterstützen sowie Notfallsituationen automatisch erkennen und entsprechende Maßnahmen einleiten z. B. Rettungskräfte, Verwandte oder verantwortliche Pfleger alarmieren.

  • Ein als besonders relevant erachteter Aspekt der Resilienz ist eine stabile soziale Vernetzung. Darunter versteht sich zum einen die Überbrückung von räumlichen Entfernungen für die Kommunikation mit Freunden oder anderen Gleichgesinnten – ermöglicht durch technische Plattformen mit deren Hilfe man sich über alltägliche Themen, persönliche und gesundheitliche Anliegen austauschen kann. Ein weiterer Punkt zur sozialen Unterstützung ist die Stärkung bürgerschaftlicher und nachbarschaftlicher Engagements.

Bewältigung



In der Bewältigungsphase kommen verschiedene Lösungsansätze zum Einsatz,
die Hilfs und Rettungskräfte bei ihrer Arbeit unterstützen.


  • Die Funktionalität der Alarmierung umfasst die Warnung und das Erreichen der breiten Bevölkerung mit hör-, sicht- und teilweise auch fühlbaren Warnsignalen. Die Warnung erfolgt in erster Linie mittels Sirenen und Lichtsignalen; und kann durch multimediale Wege unterstützt werden. Diese umfassen das Fernsehen und Radio sowie technische Möglichkeiten zum Empfang z. B. Apps, SMS Verteiler, Pager bzw. Funkempfänger, regionale digitale Werbetafeln und Rauchmelder mit Lautsprecherfunktion. Des Weiteren können offizielle ortsbezogene Warnmeldungen (z. B. des Deutschen Wetterdienstes) bei bevorstehenden Naturkatastrophen eingebunden werden.

  • In Alltagssituationen, wie zuhause und unterwegs, sei es zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Auto, kann eine unerwartete Situation eintreten und verlangt die Möglichkeit des Notrufes über Mobilfunk oder Festnetz und eventuell einer Lokalisierung, sprich Ortung der Person in Notlage per GPS. Je nach Umstand, kann ein Notruf nicht mehr von der betroffenen Person selbst abgesetzt werden. Hier kommen Geräte in Frage, die die Notfallsituation erkennen und den Notruf eigenständig absetzen.

  • Im Ablauf einer Katastrophe ist eine Lageübersicht über den Verlauf und den aktuellen Stand u. a. zu personellen und materiellen Ressourcen der Rettungskräfte wichtig. Technische Unterstützung erfolgt durch digitale Lagepläne und Einsatztagebücher sowie mittels mobiler Kameras, um bessere Entscheidungen von Schutz- und Rettungsmaßnahmen vor Ort veranlassen zu können. Verschiedene Software-Systeme unterstützen bei der Einsatzplanung und optimieren Abläufe in Notfallsituationen.

  • Eine robuste und einfache Kommunikation ist wichtig für die Bewältigungsphase. So müssen Einsatzkräfte und auch Betroffene ihren aktuellen Status und Stand kommunizieren und Informationen für ihre Aktionen einholen können. Klassisch dienen Telefon, Mobilfunk und Paging zur Kommunikation im Katastrophenfall. Besonders Paging als möglichst ausfallsichere Technik spielt für Behörden mit Sicherheitsaufgaben eine wichtige Rolle. Soziale Medien sind als zusätzlicher Kanal zur Kommunikation von Betroffenen und Außenstehenden im Krisen- und Katastrophenfall geeignet. Neben allgemeinen Informationen über das Verhalten in Krisenfällen können Soziale Medien auch die Einschätzung über das Ausmaß für Betroffene darstellen. Krisenstäbe können frühzeitig an Fotos, Videos und Augenzeugenberichte o. ä. gelangen.

  • Im Fall eines Großalarms sollen Zivilpotenziale, wie Freiwillige aus der Bevölkerung mobilisiert und koordiniert werden, um sie zielgenau als reale Hilfskraft einzusetzen. Diese können sowohl als Ersthelfer eingesetzt werden um lebenserhaltende Maßnahmen durchzuführen, können aber auch im Hintergrund bei der Versorgung von besonderen Personengruppen, wie Hilfe- und Pflegebedürftigen eingesetzt werden.

  • Viele elektronischen Geräte ohne möglichen Batterie- oder Akkubetrieb sind im Fall eines Stromausfalles nicht mehr nutzbar. Hält eine Krise länger an, ist auch die Aufladung von Batterien bzw. Akkus notwendig. In Einsatz kommen üblicherweise Notstromaggregate bzw. Geräte für unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV). Zudem gibt es Akkusteckdosen, die eine kurze Zeit nach dem Stromausfall wie normale Steckdosen funktionieren. Es gibt außerdem tragbare Akkugeräte, sogenannte Powerbanks, die Mobiltelefone mehrfach erneut laden können.

Nachsorge



Die Lösungsansätze der Nachsorge umfassen die Dokumentation des Geschehenen
und die psychologische Betreuung.


  • Auch nach der Katastrophe ist die Dokumentation bzw. Rekonstruktion der Vorgehensweise während der Katastrophe, sowie die Feststellung des Schadensausmaßes eine Notwendigkeit, die technisch unterstützt werden kann. Unter Dokumentation fallen hier z. B. Übersichten über verwendete Ressourcen und Einsatztagebücher.

  • Die Behandlung von psychologischen Folgen und die Möglichkeit, über Erlebtes zu sprechen, ist essenzieller Teil der Nachsorge für Betroffene und Helfer. Technische Unterstützung finden sich bei Internetdiensten zur Therapie und Traumabewältigung mit Fachkräften per Video und Chat. Ergänzend hierzu ist der Austausch mit Personen, die sich in ähnlichen Situationen befinden.

Fallbeispiele



Einige Lösungsansätze konnten bereits in Krisensimulationen und der Praxis umgesetzt werden.
Wir stellen Ihnen eine Auswahl an Fallbeispielen vor.

NINA

Mit der Warn-App NINA können während einer Katastrophensituation wichtige Warnmeldungen direkt per Smartphone empfangen werden. Diese beinhalten bspw. heftige Unwetterwarnungen, Hochwasserinformationen oder Gefahrstoffausbreitungen. NINA dient der Kommunikation zwischen Behörden und Bürgern und stellt dadurch ein hilfreiches Tool dar, um die Bevölkerung während einer Krisensituation rechtzeitig und vertraulich zu informieren. Die Meldungen der App leisten einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung in der Vorsorge-Phase.

Copilot

Der Copilot erfüllt während einer Katastrophensituation wesentliche Funktionen des Monitorings. Er steuert die häusliche Umgebung und überwacht den Tagesablauf um beispielsweise Sturz- und Brandrisiken vorzubeugen. Bei Bedarf setzt er eine Alarmierung ein, sodass Rettungskräfte, Angehörige oder Nachbarn je nach Situation zur Hilfe kommen können. Die Mix aus Technik und Helfern konnte in Katastrophensituationen bereits eine schnelle Rettung sicherstellen.

ALADIEN

Das ALADIEN-Tablet ist ein Beispiel aus dem Bereich Soziale Vernetzung. Die auf dem Tablet vorhandenen Apps dienen dem Informationsaustausch und vereinfachen Wege der Kommunikation. Hilfe- und Pflegebedürftige konnten sich somit während eines Katastrophenfalls mit anderen Personen in ihrem Umfeld vernetzen, aber auch mit ihren Angehörigen oder Freunden in Kontakt bleiben. Darüber hinaus kann das Tablet auch genutzt werden, um sich per App über aktuelle Warnmeldungen zu informieren.

Quartrback

Der Quartrback ist ein unauffälliges Ortungssystem, mit dem an Demenz erkrankte Menschen im Rahmen des Projektes "Quartrback" ausgestattet wurden. Ihnen wurde somit ein gefahrenloser Zugang in einem definierten Nahbereich um die eigene Wohneinheit ermöglicht und dadurch eine Teilhabe am sozialen Leben sichergestellt. Der Quartrback basierte auf einem Helfernetzwerk, das aktiviert wird, sobald die an Demenz erkrankte Person ihren Nahbereich verlässt. Situationsabhänging wurden dann ehrenamtliche Helfer alarmiert. Die Freiwilligen aus dem Helfernetzwerk konnten im Falle einer Katastrophensituation für die sichere Betreuung der genannten Personengruppe sorgen.

FirstAED

Die App "FirstAED" wurde in Katastrophenfällen von Einsatzzentralen verwendet, um freiwillige (und professionelle) Ersthelfer über einen Alarm per App zu Notfällen hinzuzurufen. Diese konnten dadurch noch vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes wichtige lebenserhaltende Maßnahmen einleiten. Zusätzliche Informationen wie die Art des Notfalls (z.B. Herzinfarkt), der nächstgelegene AED-Standort, sowie eine Anfahrtsbeschreibung weisen den freiwiliigen Helfer in den Notfall ein. Durch FirstAED konnten freiwillige Ersthelfer in Katastrophensituationen unterstützen und bei der Versorgung helfen.

Mobikat

Die Software MobiKat wurde entwickelt um Rettungskräfte beim Management von Katastrophensituationen zu unterstützen. Damit können Einsätze geplant, Rettungs - und Schutzmaßnahmen durchgeführt und somit eine schnelle Hilfeleistung ermöglicht werden. Durch den Einsatz von mobilen Endgeräten und autonomen Kamerasystemen bietet die Software auch während einer Katastrophensituation eine Lageübersicht. In der Vorsorge unterstützt MobiKat bei der Konzepterstellung und Risikobewertung - in der Nachsorge bei der Dokumentation.

Logbuch



Was sie sonst noch zum Thema Katastrophenschutz interessieren könnte, haben wir hier zusammengestellt.
Eine Garantie auf Vollständigkeit und Aktualität können wir nicht geben.

  • Projektwebseite des Projektes KOPHIS Weiterlesen
  • Informationen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zu KOPHIS Weiterlesen
  • Projektwebseite des Projektes AUPIK Weiterlesen
  • Modulares Warnsysteme "MoWaS" des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe Weiterlesen
  • Aktuelle Warnmeldungen in Deutschland Weiterlesen

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