Szenario: Pflegebedürftigkeit



Technische Lösungsansätze zur Unterstützung von Hilfe- und Pflegebedürftigen.

Mit fortschreitendem Alter verliert ein Mensch zunehmend körperliche und geistige Fähigkeiten - in vielen Fällen mündet diese Entwicklung in der Pflegebedürftigkeit. Ein selbstbestimmtes Leben, wenn möglich in den eigenen vier Wänden, bleibt dabei für viele pflegebedürftige und vor allem ältere Menschen ein zentraler Wunsch. Dem gegenüber steht der demographische Wandel, der einen stetigen Zuwachs der Anzahl an Hilfe- und Pflegebedürftigen mitsichbringt, sowie ein zusätzlicher Fachkräftemangel in der Pflege. 

Beide Entwicklungen erschweren den Wunsch, trotz Pflegebedürftigkeit so zu leben, wie man möchte. Häufig kümmern sich daher Angehörige oder mobile Pflegedienste um Hilfe- und Pflegebedürftige und stellen somit eine Versorgung unter oftmals hoher Belastung sicher. Moderne Technologien und Systeme können den Pflegealltag unterstützen und für die notwendige Entlastung auf Seiten aller Pflegenden sorgen.

Motivation



Technische und organisatorische Strukturen in den Pflegealltag intergrieren.

Die Pflegebedürftigkeit eines Menschen misst sich unter anderem am Maß seiner Selbstständigkeit und Ressourcen. Diese müssen erhalten und genutzt werden, um möglichst lange und selbstständig in den eigenen vier Wänden zu leben. Fehlende Ressourcen können mit Hilfe neuer Lösungsansätze kompensiert werden. Mit der Unterstützung verschiedener technischer und organisatorischer Strukturen kann man helfen diese Lücken zu schließen und das Ziel eines selbstständigen Alltags zu erreichen.

Dabei steht im Vordergrund, ein Setting aufzubauen, dass sich am individuellen Bedarf des Pflegebedürftigen ausrichtet und somit möglichst viel seiner Selbstständigkeit und Ressourcen erhält bzw. weiter ausbaut. Für Angehörige und Pflegende sorgt dieses Setting für Entlastung und ein Gefühl, auch ohne ständige Verfügbarkeit alles unter Kontrolle zu haben. Dem vorangestellt ist allerdings auch eine Aufklärung über die verschiedenen Lösungsmöglichkeiten.

Problembeschreibung



Fachkräftemangel und demographischem Wandel gezielt entgegenwirken.

Mit dem Voranschreiten der Pflegebedürftigkeit kommt der Zeitpunkt, an dem Pflegeleistungen in Anspruch genommen werden müssen. Dabei wünschen sich die Betroffenen in vielen Fällen eine ambulante Betreuung, um möglichst selbstständig zu bleiben und das Pflegeheim zu meiden. Dieser Wunsch ist allerdings immer schwieriger umsetzbar, da mit der Zunahme multimorbider Patienten die Nachfrage nach ambulanten Pflegedienstleistungen steigt. Auch wenn es zahlreiche Anbieter und Angebote gibt, fehlen an vielen Stellen Fachkräfte, die diese Angebote dann auch umsetzen können.

Besonders in ländlichen Regionen ist diese Entwicklung verstärkt spürbar. Während es viele Generationen in die Städte zieht, verbleiben ältere Personen trotzdem gerne im gewohnten Umfeld und Netzwerk. Hieraus ergeben sich folgende Fragestellungen, die wir mit technischen Lösungsansätzen addressieren können: Wie lassen sich Angehörige trotz Entfernung einbinden? Wie kann ich auch in ländlichen Regionen ehrenamtliche Helfernetzwerke aufbauen? Wie kann ich Notfälle erkennen auch wenn eine Person alleine zu Hause wohnt?

Lösungsansätze



Verschiedene Lösungsansätze können im Pflegealltag technisch unterstützen.
Diese lassen sich in unterschiedliche Bereiche gliedern.

  • Pflege-Assistenzsysteme unterstützen hilfe- und pflegebedürftige Menschen im Alltag in den Bereichen Sicherheit, Komfort und Soziale Teilhabe.

    Sie ermöglichen einen möglichst langen Verbleib in den eigenen vier Wänden und bilden gemeinsam mit Pflegefachkräften und Angehörigen eine umfassende Betreuungseinheit. Im Falle einer Pflegebedürftigkeit können sie in Gefahren- und Notfallsituationen für entsprechende Deeskalations- und Rettungsmaßnahmen sorgen. Verschiedene Smart-Home-Anwendungen erleichtern alltägliche Aufgaben. Das Angebot wird ergänzt durch  Kommunikationslösungen, wie beispielsweise Videogespräche, sodass stets eine soziale Teilhabe sichergestellt wird.

     

  • Helfernetzwerke sind Organisationen, die (freiwillige) Helfer sammeln und koordinieren. Sie unterstützen beispielsweise in Notfall- und Krisensituationen oder kümmern sich um bestimmte Personengruppen.

    Durch das Engagement der Helfer können verschiedene Leistungen aufgebaut und angeboten werden. Dabei geht es nicht unbedingt um professionelle Dienstleistungen, sondern um niedrigschwellige Angebote, die im Alltag unterstützen (z.B. Einkaufshilfe, Spazieren gehen, Unterstützung im Haushalt).

     

     

  • Beratungsassistenten klären Hilfe- und Pflegebedürftige und deren Angehörige auf digitalem Weg über die verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten auf. 

    Sie geben einen Überblick über die Vielzahl der zur Verfügung stehenden Technologien und Dienstleistungen und erläutern diese genauer. Dabei können digitale Verzeichnisse zum Einsatz kommen, die verschiedene Szenarien (z.B. Sturzprävention) aufzeigen. Somit können Leistungen entsprechend des Bedarfs des Pflegebedürftigen zusammengestellt und auf ihn ausgerichtet werden.

  • Die Videosprechstunde bietet Gesundheitseinrichtungen und Patienten die Möglichkeit, sich über eine Entfernung hinweg synchron auszutauschen.

    Die Videosprechstunde ist im Grunde nichts anderes, als ein persönlicher Termin beim Arzt und kann somit für Hilfe- und Pflegebedürftige als Ergänzungsangebot zu Vor-Ort-Terminen genutzt werden.

    Für nicht dringliche Beschwerden kann ein Videogespräch mit dem Arzt vereinbart werden, sodass die betroffene Person nicht den Weg in die Praxis auf sich nehmen muss. Die Videosprechstunde kann dabei auch durch einen Betreuer oder eine Betreuerin begleitet werden, um den richtigen Umgang mit der Technik sicherzustellen. Sie kann auch zu einer Televisite ausgeweitet werden.

  • Die Televisite ist sozusagen die digitale Form eines Hausbesuchs.

    Eine speziell geschulte telemedizinischen Assistenz übernimmt dabei vor Ort beim Patienten delegationsfähige Tätigkeiten des Arztes. Das können Messungen der Vitaldaten, Wunddokumentationen oder die allgemeine Erfassung des Gesundheitszustandes sein. Diese Daten übermittelt sie digital in die Gesundheitseinrichtung (z.B. Arztpraxis). Bei Fragen kann die telemedizinische Assistenz den Arzt per Video hinzuschalten.

    Das Modell der Televisite bietet somit Hilfe- und Pflegebedürftigen, die beispielsweise mobil eingeschränkt sind, die Möglichkeit Arztbesuche in der eigenen Häuslichkeit wahrzunehmen.

  • Im Rahmen einer digitalen Therapie führen Patienten ein Therapie oder Rehaprogramm online durch.

    Sie können Übungen per Video erhalten oder führen diese selbstständig per Smartphone, Tablet oder PC zu Hause durch. Auch das Gespräch zwischen Therapeut und Patient kann digital, per Video stattfinden. Dabei können verschieden Therapieformen (Physiotherapie, Sprachtherapie) bedient werden.

    Die Digitale Therapie ist für Hilfe- und Pflegebedürftige interessant, die beispielsweise nach einem Unfall oder einer Krankheit Hilfebedarf aufweisen. Sie können somit zu Hause durch Übungen unterstützt werden und dadurch in der vertrauten Umgebung genesen.

  • Das Überleitungsmanagement setzt an der Nahtstelle zwischen stationärer und ambulanter Versorgung an. Es umfasst alle Aktivitäten rund um die Entlassung und Aufnahme von Pflegebedürftigen aus dem Krankenhaus in eine Pflegeeinrichtung und umgekehrt.

    Im Fokus steht dabei die Abstimmung zwischen ambulanter und stationärer Versorgung bei der Koordination und Betreuung von pflegebedürftigen Personen. Mit Hilfe von onlinebasierten standardisierten Überleitungsformularen können wertvolle Informationen zwischen den Einrichtungen ausgetauscht werden, um die Aufnahme und Entlassung bestmöglich abzustimmen.

Fallbeispiele



Einige Lösungsansätze werden im Pflegealltag und im Rahmen von Projekten bereits umgesetzt.
Wir stellen Ihnen eine Auswahl an Fallbeispielen vor.

Copilot

Der Copilot ist ein Pflege-Assistenzsystem, das Hilfe- und Pflegebedürftige in den Bereichen Sicherheit, Komfort und Soziale Teilhabe unterstützt. Technisch setzt der Copilot dabei auf Sensoren, die im Umfeld des Hilfe- und Pflegebedürftigen angebracht werden und bestimmte Situationen (z.B. einen Sturz) erkennen. Daraufhin können situationsgerechte Maßnahmen, z.B. eine Alarmierung auf den Hausnotruf ausgelöst werden und Helfende somit schnell reagieren. Die Wohnung passt auf die Person auf, ohne dass diese selbst Gerätschaften am Körper tragen muss. Statt einem Alarm können auch Aktionen ausgelöst werden, z.B. um einen vergessenen Herd abzuschalten.

ALADIEN

Das Projekt ALADIEN hat seinen Fokus im Betreuten Wohnen und kombiniert alltagsunterstützende Technik mit Dienstleistungen. Die Wohnungen und Pflegeeinrichtungen, die ALADIEN nutzen, sind dabei mit modernen Pflege-Assistenzsysteme ausgestattet und bieten ihren Bewohnern eine Vielzahl an Dienstleistungen. Gesteuert wird dieser Mix aus Technik und Service über ein Tablet, das zur Grundausstattung jeder Wohneinheit gehört. Damit können Dienstleistungen (z.B. Taxifahrt, Essen auf Rädern, etc.) gebucht werden. Daneben kommuniziert das Tablet mit den Assistenzsystemen, indem sich beispielsweise Licht oder Heizung damit steuern lassen. Zusätzlich bietet es Zugriff auf verschiedene digitale Dienste (z.B. Videochat) um die soziale Teilhabe aufrechtzuhalten.

Quarterback

Der Quartrback ist ein unauffälliges Ortungssystem, mit dem an Demenz erkrankte Menschen im Rahmen des Projektes "Quartrback" ausgestattet wurden. Ihnen wurde somit ein gefahrenloser Zugang in einem definierten Nahbereich um die eigene Wohneinheit ermöglicht und dadurch eine Teilhabe am sozialen Leben sichergestellt. Der Quartrback basierte auf einem Helfernetzwerk, das aktiviert wird, sobald die an Demenz erkrankte Person ihren Nahbereich verlässt. Situationsabhänging wurden dann ehrenamtliche Helfer alarmiert. Die Freiwilligen aus dem Helfernetzwerk können somit für die sichere Betreuung der Hilfe- und Pflegebedürftigen sorgen.

Wegweiser "Alter und Technik" des FZI

Zahlreiche Technologien und Dienstleistungen können Hilfe- und Pflegebedürftige im Alltag unterstützen. Um unter dieser Fülle an Angeboten den Überblick zu behalten, wurde eine Referenzdatenbank sowie eine Informationsplattform, der "Wegweiser Alter und Technik", aufgebaut. Darin finden Interessierte online Informationen zu den unterschiedlichen Unterstützungsmöglichkeiten. Diese sind nach verschiedenen Anwendungsfällen (z.B. Sturzerkennung) sortiert und umfassen eine Vielzahl an Produkten und Beschreibungen zu diesen. Somit kann das Wissen zu unterschiedlichen Unterstützungsmöglichkeiten bei den Zielgruppen ausgebaut werden.

Videosprechstunde im Pflegeheim "Saaleufer"

Auch im stationären Bereich können verschiedene helfende Systeme zum Einsatz kommmen, die im Falle einer Pflegebedürftigkeit unterstützen. Die Pflegeeinrichtung "Saaleufer" führt beispielsweise Videosprechstunden zwischen ihren Bewohnern und einem niedergelassenen Arzt durch. Die Pflegefachkraft kann dabei assistieren und Aufgaben für den Arzt übernehmen (z.B. Blutdruck messen). Dieses Vorgehen entlastet die Pflegefachkräfte und die Einrichtung, indem Bewohner nicht extra für einen Transport zum Arzt vorbereitet werden müssen. Zusätzlich profitiert auch der Arzt von der Videosprechstunde indem er nur bei akuten Fällen vor Ort sein muss. 

Dein Nachbar e.V. Helfernetzwerk

Das Helfernetzwerk "deinNachbar e.V." betreut hilfebedürftige ältere Menschen, damit diese so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben können. Mehr als 300 geschulte ehrenamtliche Helfer unterstützen die Hilfe- und Pflegebedürftigen im Alltag. Auch Angehörige können durch diesen Service in ihrer Pflegetätigkeit entlastet werden. Die Helfersuche und Koordination gestaltet sich dabei digital in einer App. Mit Hilfe der App und eines Fragebogens wird ein Einsatzprofil der Helfenden erstellt, sodass passende Hilfesuchende zugewiesen werden können. Die Helfenden erhalten daraufhin einen "Auftrag" und können direkt sehen, welche Hilfeleistung benötigt wird und dementsprechend zur Seite stehen.

Logbuch



Was Sie sonst noch zum Thema Pflegebedürftigkeit interessieren könnte, haben wir hier zusammengestellt.
Eine Garantie auf Vollständigkeit und Aktualität können wir nicht geben.

  • "Wegweiser Alter und Technik" des FZI Weiterlesen

  • Webseite des Unterstützungsnetzwerks "deinNachbar e.V." Weiterlesen
  • Informationen und Video zum Einsatz von ALADIEN bei der Evangelischen Heimstiftung Weiterlesen
  • Studie des gkv-Spitzenverbandes zu Nutzen und Potenzialen von Assistenztechnologien Weiterlesen
  • Virtueller 360-Grad-Rundgang durch die "ALADIEN-Musterwohnung" Weiterlesen

Sie kennen weitere Quellen und Fallbeispiele?
Senden Sie uns diese gerne zu.

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