Von Kimberly May auf 05. August 2026
Kategorie: Vernetztes Rettungswesen

Moderne Rettungskette im WDR: ZTM zu Gast bei „Der Gesundheitskompass“ mit Doc Esser

In seiner Sendung „Der Gesundheitskompass" widmet sich Notfallmediziner und Fernseharzt Heinz-Wilhelm Esser („Doc Esser") jede Woche einem Thema rund um Gesundheit und Medizin.

In der aktuellen Folge vom 04.08.2026 durften wir dabei sein und gemeinsam mit ihm über moderne Rettungsmedizin sprechen. Darüber hinaus gibt der Mediziner Einblicke in den Alltag des Rettungsdienstes in Essen, spricht mit der Leitstelle über tägliche Herausforderungen und stellt einen Patienten vor, der einen Herzinfarkt erlitten hat und mithilfe eines Defibrillators und mobilen Ersthelfern gerettet werden konnte.

Defi-Drohnen vs. Rettungsdienst im Live-Experiment

Doc Esser und sein Team sind über das Projekt „Rettungskette 5G" auf uns aufmerksam geworden. Dort haben wir gemeinsam mit unserem Projektpartner Globe UAV untersucht, ob 5G-Rettungsdrohnen einen Defibrillator (AED) zuverlässig an den Einsatzort transportieren können.

In unserem Part der Sendung führen Innovationsmanagerin Jasmin Hessler und Drohnen-Entwickler Jörg Brinkmeyer gemeinsam mit dem Fernseharzt ein Live-Experiment durch, bei dem getestet wird, ob eine Rettungsdrohne schneller am Einsatzort ist als der zeitgleich alarmierte Rettungsdienst. Dazu wurde im Chemiepark Marl ein Rettungseinsatz simuliert, bei dem die Werksfeuerwehr gegen die Defi-Drohne antritt. Im Experiment traf die Defi-Drohne rund eineinhalb Minuten früher am Einsatzort ein als der Rettungsdienst.

Jörg Brinkmeyer erklärte, dass die Drohne in den meisten Fällen bereits vor den menschlichen Helfern am Einsatzort eintreffe. Gerade in ländlichen Regionen könne dieser Zeitgewinn entscheidend sein. Im Projekt „Rettungskette 5G" konnte die Drohne den Einsatzort im Durchschnitt sogar rund 20 Sekunden vor einem mobilen Ersthelfer erreichen – und damit deutlich vor dem Rettungsdienst.

Im Rahmen eines unserer ZTM Symposien stellte Jörg Brinkmeyer die Defi-Drohne anhand eines Live-Drohnenflugs genauer vor.


Mobile Ersthelfer-Apps im Diskurs

Neben der Defi-Drohne stand eine weitere digitale Entwicklung im Diskurs der Sendung: sogenannte Ersthelfer-Apps. Der Mediziner spricht in der Episode mit einem jungen Mann, der vor einigen Jahren einen Herzinfarkt erlitt. Mithilfe seiner Familie, eines Defibrillators und eines Ersthelfers, der via App in seinem Dorf alarmiert wurde, konnte er gerettet werden. Das folgende Video zeigt beispielhaft, wie eine Alarmierung im Projekt „Rettungskette 5G" über die dort eingesetzte App „Region der Lebensretter" erfolgt.  

Interessant ist dabei die Versorgungssituation rund um Ersthelfer-Apps. Insgesamt sieben App-basierte Ersthelfersysteme sind deutschlandweit im Einsatz. Einige davon sind überregional etabliert, andere nur in bestimmten Regionen. Eine Karte des Deutschen Rates für Wiederbelebung zeigt, wie unterschiedlich die Versorgung in Deutschland organisiert ist. Während im Wirkungsgebiet von Doc Esser beispielsweise die App „Mobile Retter" im Einsatz ist, wird im Nachbarlandkreis Recklinghausen die App „Corhelper" verwendet.  


Strukturschwächen deutschlandweit – fehlende Standards und Schnittstellen entlang der Rettungskette

Das Bild des Flickenteppichs zeigt sich seit vielen Jahren entlang der gesamten Rettungskette. Es beginnt bei den Ersthelfer-Apps, setzt sich über die Leitstellen fort – wie auch Doc Esser in der Sendung zeigt – und reicht bis zum Rettungsdienst mit unterschiedlichen Systemen zur telemedizinischen Voranmeldung sowie in die Kliniken.

Mit unserem Expertenrat für digitales Notfallmanagement haben wir dazu ein Eckpunktepapier zusammengestellt, das Empfehlungen zur Nutzung und Umsetzung digitaler Technologien in Rettungs- und Notfallmedizin ausspricht.

Vor welchen weiteren Herausforderungen das Rettungswesen in Deutschland täglich steht, zeigt die aktuelle Folge von „Der Gesundheitskompass". Leider war unser Beitrag ausschließlich im Livestream zu sehen, sodass wir Ihnen lediglich anhand ausgewählter Bilder einen Einblick geben können. Es lohnt sich jedoch, die gesamte Folge einmal anzusehen.

Wir freuen uns, dass digitale Innovationen im Gesundheitswesen es einmal mehr auf die Fernsehbühne geschafft haben und somit ein breites Publikum über die modernen Möglichkeiten der Patientenversorgung informieren. Ein herzliches Dankeschön gilt auch dem Team des WDR, das uns während der Dreharbeiten stets auf dem Laufenden gehalten und diesen Auftritt ermöglicht hat.

Verwandte Beiträge